Dienstag 07.09.2010

Der intelligente Fußball

Der intelligente Fußball

Immer wieder sorgen technische Neuerungen im Sport für ungeahnte Leistungssteigerungen, eine erhöhte öffentliche Aufmerksamkeit und bisweilen auch für kontroversen Gesprächsstoff. Die Weltsportart Nr. 1., der Fußball, führt ebenfalls seit einigen Jahren – wenn auch mit einem (vorläufig) negativen Ergebnis – eine solche Diskussion über die Einführung eines Hightech-Produktes. Die Rede ist vom sog. „intelligenten Fußball“.

Die im Auftrag der FIFA von der Firma adidas und der Münchener Firma Cairos gemeinsam entwickelte Technik funktioniert dabei nach folgendem Prinzip: Ein in der Mitte des Balles integrierter Mikrochip, stabilisiert durch entsprechende Haltebänder, sendet fortlaufend Signale aus. Ein im Boden unterhalb der Torlinie geschützt angebrachtes Kabel erzeugt wiederum ein Magnetfeld. Überquert der Ball nun die Torlinie, löst das durch das Sendersignal „gestörte“ Magnetfeld im Chip einen Impuls aus, der sofort an eine entsprechend präparierte Armbanduhr des Schiedsrichters weitergeleitet wird und ihm auf diesem Weg das erzielte Tor anzeigt. Eine spezielle Verschlüsselungstechnik soll eine Manipulation des Systems unmöglich machen.

Mit dem Einsatz dieser neuen Technik sollen strittige Situationen, wie sie insbesondere seit dem legendären Wembley-Tor im Weltmeisterschaftsfinale 1966 immer wieder aufgetreten sind, ausgeschlossen werden. Ferner soll dadurch der auf dem Schiedsrichter lastende Entscheidungsdruck gemildert werden bzw. gänzlich entfallen. Kritiker indes halten das System für anfällig und unzuverlässig und sprechen sich eher für den Einsatz bereits existierender „Überwachungsgeräte“ wie die Torkamera oder das im Tennis gebräuchliche Hawk-Eye aus. Ausgiebige Tests, zuletzt bei der Klub-Weltmeisterschaft 2007 in Japan, die laut Herstellerangaben positiv verlaufen sind, konnten dann auch nicht verhindern, dass die FIFA sich gegen den Mikrochip-Ball ausgesprochen hat. Stattdessen will man zukünftig durch einen, hinter jedem Tor platzierten, zusätzlichen Schiedsrichter-Assistenten (Torrichter) die „menschliche Komponente“ stärken.

Dank der freundlichen Unterstützung durch die Firma adidas kann sich das Deutsche Sport & Olympia Museum darüber freuen, einen in Japan getesteten Original-Mikrochip-Fußball in seinen Sammlungsbestand aufnehmen zu können.